Missverständnisse übers Homeoffice

Homeoffice mit Kind

Letzte Woche war ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz. Ich gebe zu, ich hing leicht in den Seilen und war daher froh, dass mein kleiner Mann sich allein auf die Suche nach Abenteuer machte. Er fand eine Kindergartengruppe und deren Spielzeug und kam ganz aufgeregt mit einer Schaufel in der Hand auf mich zugelaufen.

Homeoffice auf dem Spielplatz

Ich lachte, nahm ihn in dem Arm und schaute ihm dann beim Buddeln zu. Zwei Damen sprachen mich an. „Ach, was haben Sie für ein Glück. Ihr Mann arbeitet für die Familie, damit sie hier mit Ihrem kleinen Schatz spielen können. Das ist toll!“
Wäre das mein Lebensmodell, dann wäre das vielleicht toll. Aber es trifft ja nun mal leider überhaupt nicht meine Realität.

Ich arbeite nachts

„Wissen Sie, man mag mir das vielleicht nicht ansehen, aber ich habe die letzten Nächte arbeitend verbracht. Ich bin selbstständig und arbeite dann, wenn meine Kinder schlafen. Deswegen kann ich tagsüber mit meinem Sohn über den Spielplatz toben, weil dies das Leben ist, dass wir uns als Familie ausgesucht haben. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch arbeite.“

Arbeiten oder einem Hobby fröhnen

Die Frauen hörten interessiert zu, waren aber skeptisch. Das sei doch bestimmt so ein Hobby, ob ich auf Dawanda genähte Kleidung verkaufen würde. Ich verneinte, obwohl ich finde, dass auch Nähen Arbeit ist. Weiß ich ja aus eigener Erfahrung.
Jedenfalls kann ich nicht verhehlen, mich ärgerte diese Aussage. Als wäre eine Arbeit im Homeoffice eine Spielerei.

Freie Entscheidung

Mein Sohn wollte rutschen und so ging ich mit ihm zum Spielgerät. Mit müden Augen aber auch viel Lebensfreude verbrachten wir diesen Tag. Das Tolle ist eben: Ich kann am Vormittag, wenn mein Sohn das möchte, auf den Spielplatz.  Dass ich dafür dann nachts ran muss ist eben die Kehrseite der Medaille. Ich würde mir nur etwas mehr Akzeptanz dafür wünschen.

 

3 Gedanken zu “Missverständnisse übers Homeoffice

  1. Ja, mehr Akzeptanz dafür wäre schön. HomeOffice ist eben auch Arbeit – wenn mein Chef zu Hause arbeitet, wird übrigens nie in Frage gestellt, dass er arbeitet.
    Nun ja, es ist noch ein Weg, aber es wird schon. Mir begegnen doch immer mehr Leute, die auch HomeOffice machen. Ich habe den Eindruck es etabliert sich langsam in der Gesellschaft.

    Ich habe noch eine neugierige Frage, wenn es ok ist? Wieviel schläfst Du denn? So wie es sich anhört, wirklich wenig. Und das bewundere ich, ich werde ohne ausreichend Schlaf unausstehlich.

    Liebe Grüße
    Mia

    1. Liebe Mia,

      Ich fragte ja schon in meinem ersten Beitrag: Ob es Männern wohl anders geht? So wie du deinen Chef beschreibst lautet die Antwort wohl: JA!
      Zum Schlafen: Ja, ich schlafe sehr wenig. Weil ich abends / nachts arbeite und mein Sohn dazu noch wenig schläft. In der Regel sind es, über die Nacht verteilt, vielleicht so 5 Stunden? Nur leider nicht am Stück. Ich hoffe sehr, dass sich das bald wieder ändert.

      Liebe Grüße,
      Andrea

  2. Oh ja! Oh ja! Das kenne ich nur zu gut! Habe nach meinem Babyjahr etwas über 14 Monate zuhause gearbeitet – mit Kind. Die Masse an Arbeit verlagerte sich in die Abende und Nächte. Rückblickend war es zu viel, aber vermutlich würde ich es jederzeit wieder so machen. Ich brauche und liebe meine Arbeit. Und ich konnte ihr nachgehen und trotzdem am Tag das Kind betreuen.

    Heute bin ich noch immer im Homeoffice, die kleine ist in der Kita. Und nun höre ich:
    ‪“Warum gehst du nicht morgens zum Sport? Du arbeitest doch zuhause!“ GENAU – ich Arbeite! ‬

    Homeoffice und selbstständigkeit bei Frauen, die zuhause arbeiten – da denkt die Gesellschaft in Schubladen. Ätzend.

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