Räumst du nicht auf?

Homeoffice mit Kind

Neulich hatte ich Besuch. Und dieser Besuch schaute sich bei uns um und meinte dann, leicht entsetzt: „Sag mal, du bist doch zuhause, räumst du nicht auf?“

Aufräumen im Homeoffice

Ich war ob der Frage irritiert. Natürlich räume ich auf. Abends, vor dem Schlafen gehen mit den Kindern und dann nochmal wenn sie im Bett sind. Aber tagsüber? Für freundlichen Besuch? Nein. Das erklärte ich meinem Besuch auch genauso.

„Aber du bist doch mit dem Kleinen zuhause, du hast doch Zeit? Wieso machst du das nicht?“

Putzen oder Arbeiten im Homeoffice?

Wisst ihr, ich glaube, dies ist eines der vielen Missverständnisse im Homeoffice mit Kind. Die Leute vergessen dabei gern, dass wir ja eigentlich arbeiten. Natürlich arbeite auch ich nicht konzentiert drei Stunden am Schreibtisch während mein Sohn neben mir spielt. Aber doch, ich arbeite wenn er um mich herum ist.

Aufräumen mit Kleinkind

Während des Tages räume ich aus zwei Gründen nicht auf. Zum Einen lohnt es sich einfach nicht bei einem sehr agilen Einjährigen immer und immer wieder irgendetwas wegzuräumen. Er zerrt ja doch nur das nächste Ding wieder aus irgendeiner Ecke hervor.

Ich arbeite im Homeoffice – ich putze nicht

Zum Zweiten aber, und das ist für mich viel entscheidender, ist das Homeoffice eben nicht eine kleine Spielerei nebenbei. Nein, die Zeit in der mein Sohn Mittagsschlaf macht, die nutze ich zum Arbeiten. Um Texte zu schreiben, mit Auftraggebern zu telefonieren oder neue Projekte anzustoßen. Diese Zeit ist meine Arbeitszeit, keine Putzzeit.
Ich frage mich ob Väter im Homeoffice auch solche Fragen gestellt bekommen. Oder ob bei ihnen klar ist, sie arbeiten von Zuhause und wenn die Kinder schlafen, dann arbeiten sie. Sollten hier Männer mitlesen: Könntet ihr euch bitte bei mir melden?

Homeoffice mit Kleinkind

Ich finde diese Vorstellung von Homeoffice sehr irritierend. Klar mag auch ich es lieber sauber, ruhig und ordentlich. Mit einem Kleinkind aber nehme ich, was ich kriegen kann. Und wenn mein Sohn gerade hingebungsvoll auf dem Xylophon herumklimpert während ich eine E-Mail schreibe, dann ist das für den Moment meine Art von Homeoffice mit Kind. Manchmal mitten im Chaos, aber in Gedanken sehr aufgeräumt. Denn meine Arbeit ist gut. Und darauf kommt es an. Das Aufräumen, das erledige ich nach Feierabend. Mit meinen Kindern und meinem Mann. Der auf seinem Arbeitsplatz ja auch nicht gefragt wird, warum er nicht mal eben so, mitten am Tag, sein Büro feucht durchwischt, da wären Krümel vom Mittagessen.

 

Wie ist das bei euch? Putzt ihr während eurer Arbeitszeit?

 

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4 Gedanken zu “Räumst du nicht auf?

  1. DANKE! Ich kann das ganz, ganz genauso verstehen. Unterschreiben. Aushängen. Danke!

    Ich sehe das wirklich sehr, sehr ähnlich. Wobei ich morgens, nachdem ich den Großteil der Kids in Kindergarten und Schule verteilt habe, auch erstmal eine Grundordnung herstelle. Denn ohne ein gewisses Maß an Ordnung, kann ich einfach nicht loslegen mit dem Arbeiten. Die Unordnung frisst so viel Energie von mir, dass ich das manchmal kurz vorziehe. Und das war es dann aber auch. Dann wird erst abends mit den Kids aufgeräumt. Danach die Reste wegzuräumen – ist mir gestern Abend aufgefallen – lasse ich inzwischen auch sein. Dafür habe ich nach unseren vollen Tagen einfach keine Kapazitäten mehr.

    Weil ich das aber weiß, dass ich vorher aufräumen muss, um mich für mein Homeoffice konzentrieren zu können, haben wir reduziert. Das ist ein Grund, warum mir und meinem Mann, Minimalismus so wichtig ist. Ich habe kein Arbeitszimmer und will es auch gar nicht. Also arbeite ich, wo sich gerade mein kleinstes Kind befindet und zu Beginn meines Schreibens, Netzwerkens, räume ich das Wesentliche auf.

    Jetzt geh ich spielen – im Homeoffice. Gleich geht’s weiter. Danke dir für diesen Text!

  2. Ich habe bisher den Fehler gemacht neben Home office auch noch Haushalt zu machen. Gerade diese Vermischung von Arbeit, Haushalt und Kindern finde ich total erschöpfend und gleichzeitig bin ich auch wieder dankbar, nicht im Büro sitzen zu müssen, denn da ginge nichts nebenbei (ich bin unselbständig im Home office). Immer alles nur schnell, noch schneller, ja nichts vergessen. Mittags wenn mein kleiner Sohn schläft, geht auch gar nichts, denn ab dann wollen auch die großen Kinder Aufmerksamkeit. Bisher hatte im am Vormittag die Arbeit, die ich eben nicht am Abend erledigen konnte, was auch nicht wenig war. Am Abend dann noch der Rest und danach kein Hindenken an Aufräumen und durchputzen… da falle ich einfach nur fertig auf das Sofa. Wobei ich ohne diese Konditionen mit 3 Kindern gar nicht arbeiten könnte… also einerseits ist da ganz viel Dankbarkeit, andererseits auch totale Überforderung, das alles mit 3 Kindern, Haus, Garten, einem lang arbeitenden Mann in Führungsposition unter einen Hut zu kriegen. Und ich mag meine Arbeit total! Trotzdem denke ich mir oft, wie toll es wäre, mal 2-3 Stunden konzentriert arbeiten zu können statt den ganzen Tag immer wieder. Ihr auch?

  3. Jep. Ich gebe dir ganz recht. Ich habe nach der Elternzeit leider noch keinen neuen Job, deshalb räume ich auch auf. Für mich. Weil ich gerade die Zeit habe und Ordnung in der Zeit genieße, in der die Wohnung ganz mir gehört. Aber wenn der Wirbelwind da ist, macht das keinen Sinn.
    Aber es scheinen eh etwas merkwürdige Vorstellungen von Homeoffice zu existieren. Als ich vor der Zeit mit Kind gelegentlich von Zuhause gearbeitet habe, klingelte ständig das Telefon. „Och, ich dachte, du hast Homeoffice und magst ein bischen quatschen.“ – Äh nein, denn ich arbeite… Im Büro ruft doch auch niemand mit diesem Anliegen an.

  4. Hallo ihr lieben Mit-Homeofficeler, ich stimme meiner Vorkommentatorin zu, dass man schnell automatisch reinrutscht in diese Aufräumen- statt Arbeiten-Geschichte im Homeoffice. Ich habe das immer als unbefriedigend empfunden, obwohl ich die Ordnung mochte. Nun wird am Tag konsequent gearbeitet und Zeit mit den Kids verbracht und abends gemeinsam mit dem Mann geputzt und aufgeräumt. Viel befriedigender für uns alle, ich kann es euch nur ans Herz legen! Es hat mit Achtung und Respekt vor sich selbst zu tun und tut der Beziehung so gut, weil sie sich so partnerschaftlich auf Augenhöhe bewegt. Schöne Grüße, Barbara

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